Studentische Politik und Exzellenz

Exzellenz-Begutachtung durch Besetzung des Otto-Suhr-Instituts verhindert!

Studierende der Freien Universität Berlin (FU) haben heute aus Protest das Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft (OSI) besetzt. Die Studierenden blockierten den gesamten Institutsbereich und die Hörsäle mit Tischen und Stühlen und hissten Plakate und Transparente. Damit verhinderten sie die Begutachtung des Instituts im Rahmen der so genannten „Exzellenz-Initiative“.

Die Freie Universität Berlin befindet sich hierbei im Wettbewerbsverfahren mit dem Konzept einer Graduiertenschule am John-F.-Kennedy-Institut und dem Exzellenzcluster „Governance in a Globalized World“ am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft. Zusätzlich wird in Kooperation mit anderen Universitäten der Region die Bildung einer „Berlin Mathematical School“ angestrebt. Am Freitag sollte eine Delegation das Otto-Suhr-Institut als Grundlage einer möglichen Förderzusage begutachten. Aufgrund der studentischen Besetzung des Instituts konnte die Begehung nicht stattfinden.

Bereits in den Vortagen hatte die Ankündigung des Protestes für Unsicherheit im Universitätspräsidium und in der Institutsleitung gesorgt: Nach dem Bekanntwerden einer internen Mail von Studierenden hatte das FU-Präsidium mehrfach intensiv am Otto-Suhr-Institut darauf gedrungen, für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung zu sorgen. In der Nacht zu Freitag ließ das Präsidium das Institut polizeilich sichern. Polizisten in Zivil und Streifenwagen bewachten das OSI und patrouillierten durch Dahlem. Sie blieben auch am Freitag morgen präsent.

Die Gründe für die Sensibilität an der Freien Universität liegen auf der Hand: Hinter dem Begehungstermin am Otto-Suhr-Institut steht die Aussicht auf eine Millionen schwere Förderung der FU im Rahmen der bundesweit ausgeschriebenen so genannten Exzellenz-Initiative. Durch den Protest sieht die Uni-Leitung das Projekt offenbar gefährdet.

Genau das ist das Ziel der Studierenden: Sie sehen den Wettbewerb um Elite-Universitäten und die damit in Aussicht stehende Förderung im Einklang mit Flächen deckenden Kürzungen, fortgeführter sozialer Selektion und wissenschaftlicher Verknappung im gesamten Hochschulbereich.

Sie fordern eine breite Förderung und die Öffnung der Hochschulen statt Elite-Wettbewerb in ausgewählten Bereichen und Standort-Konkurrenz. „Es ist der blanke Hohn, mit dieser spezifischen Elite-Förderung über die gravierenden Mängel im Fundament des deutschen Hochschulwesens hinwegtäuschen zu wollen“, sagte eine der Besetzerinnen und forderte „Licht statt Leuchttürme“. Ein anderer Studierender sagte: „Wer jetzt zu eigenen finanziellen Gunsten die Debatte um die soziale Verfassung unseres Bildungssystems scheut, hat die Tiefe der Verwerfungen nicht begriffen“. Kritische und unabhängige Wissenschaft sei notwendig und erkämpfenswert, auch um in den aktuellen gesellschaftlichen Krisen angemessene Auswege und kreative Ideen aufzuzeigen, so das Anliegen. Dies gelte sowohl für die Berliner Hochschullandschaft als insbesondere auch für die zahlreichen Bundesländer, in denen derzeit die Einführung von Studiengebühren und Studienkontenmodellen beschlossen werden.

„Mit dem heutigen Tag, haben wir uns einen Raum zurück erkämpft. Die Universität gehört eben nicht den Exzellenzen und Eliten, sondern noch immer den Studierenden. Und das muss so bleiben“, so eine Studentin.

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