Erlebnisse im Fachbereichsrat PolSoz 2006 und 2007

Ein studentisches Mitglied berichtet

Wenn Politik allein über repräsentative Figuren abläuft, ist es sehr schwer für diejenigen an den „Quellen“, alle Infos immer zielgenau und pünktlich an alle weiterzugeben. Im Fall von Studis ist es außerdem so, dass die gewählten besonders abhängig von Infos und Unterstützung von den anderen sind. Wie in fachlicher/studientechnischer Hinsicht ist also auch für die Wahrnehmung studentischer Interessen der rege Austausch untereinander immens wichtig.

Um dazu einen Beitrag zu leisten, sind hier aus dem Fachbereichsrat (FBR) Politik- und Sozialwissenschaften (PolSoz) an der Freien Universität Berlin einige unzusammenhängende erlebte oder drohende Schweinereien aufgeführt:

  • Das FU-Präsidium weigert sich seit Anfang des Jahres, den Berufungsvorschlag für eine Juniorprofessur für den Arbeitsbereich Politik des John-F.-Kennedy-Instituts (JFKI) an den Wissenschaftssenator weiterzuleiten und setzt sich damit über das jeweils einstimmige Votum von Berufungskommission und Fachbereichsrat hinweg. Selbst die neuesten Beschlüsse von FBR und JFKI-Institutsrat von Juli, die dem Präsidium das Einholen neuer Gutachten anbieten, scheinen nichts zu bewirken. Die Ursache dafür dürften die politischen Ansichten des Wunschkandidaten sein und nicht, so der offizielle Hauptgrund, dessen Alter. Diese Skrupellosigkeit zeigt, dass der formal korrekt zustande gekommene Berufungsvorschlag für die Professur Politische Theorie und Ideengeschichte am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft (OSI) nicht wirklich wegen fachbereichsinternen Streitigkeiten oder Fehlern seit letztem Herbst von der Uni-Leitung blockiert wird, denn wenn dem Präsidium der Kandidat für diese Professur gefiele, würde es ihn unterstützen. Die OSI-Stelle wird nun neu ausgeschrieben. Eine ähnliche Nummer zog die Uni-Leitung schon mit dem Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften ab, welches jahrelang auf die Nachbesetzung von Professuren warten musste.
    Im Fall des JFKI ist der Fall besonders aussagekräftig, da eine Juniorprofessur sowieso auf nur drei Jahre befristet ist und im Anschluss auch noch evaluiert wird.
  • Nachdem ein OSI-Dozent 2006 damit begann, eine Teilnahmebeschränkung für sein Seminar mit der Begründung zu beantragen, in der FU-Satzung sei eine ordnungsgemäße Durchführung der Lehrveranstaltung gefordert, was er ab einer bestimmten Größe nicht mehr garantiert sehe, folgten ihm dieses Sommersemester eine Handvoll weitere nach. Sehr problematisch daran ist, dass nach diesem Verständnis wir Studis diesen altbekannten Missstand ausbaden müssen, während sich das Lehrpersonal so gut wie nie zur Wehr setzt. Bisher wurden solche Anträge glücklicherweise von Instituts- und Fachbereichsrat abgelehnt. Wenn ihr von Teilnahmebeschränkungen wisst, fragt nach (Kontakt s.u.), ob sie vom Fachbereichsrat genehmigt wurden, das ist nämlich anscheinend nicht bei allen passiert! Wissenswert ist im erwähnten Fall noch, dass der Dozent für seinen Schritt auch die CampusManagement-Software verantwortlich machte, da sie es ihm nicht erlaubte, Studis mit Wunsch nach einem benoteten Schein begrenzt, und diejenigen ohne diesen Wunsch unbegrenzt zuzulassen.
  • Da das OSI nach Aussage der Dekanin Prof. Riedmüller in den letzten Jahren über seine Verhältnisse gelebt hat, ist jetzt angeblich kein Geld mehr da, weswegen die bezahlten Lehraufträge bereits für das Wintersemester fast komplett gestrichen werden sollen. Vor dem Hintergrund, dass von ihnen ein großer Teil der Lehre abhängt, ist zu befürchten, dass auch in Zukunft die Anträge auf Teilnahmebeschränkungen seitens Lehrender nicht weniger werden. Den prestigeträchtigen Master-Studiengängen, mit denen in Zukunft ja auch Geld verdient werden wird, wird das wohl weniger schaden, als dem grundständigen Studiengang für die ‚Masse‘.
  • Gegenwärtig läuft eine Klage der großen Berliner Unis gegen den Senat, weil sie sich nicht vorschreiben lassen wollen, wie sie den Masterzugang zu regeln haben. Die Profs unseres Fachbereichs sind mehrheitlich auch für das Auswahlrecht der Unis. Selbst wenn ihnen nicht unterstellt werden kann, dass sie für NC-Auslese oder Auswahlgespräche sind (wobei das evtl. nur daran liegt, dass für letzteres der Aufwand zu hoch ist), unterstützen sie damit diejenigen, die (wie z.B. die FU-Leitung) die Bildungsverknappung und -kommerzialisierung derart voran treiben, dass eine Bewerbung um einen Studienplatz zunehmend der um eine feste Lohnarbeit gleichkommt. Inklusive Bewerbungsgesprächen und –tests sowie verlogener „Profilbildung“ auf Seiten sowohl der Institution als auch der Bewerbung.
    Einen krassen Fall lieferte die jetzige Dekanin vor ca. einem Jahr am OSI, als sie in einer Grundstudiums-Pflichtvorlesung diejenigen aufrief, die sich gerade in den Studiengang eingeklagt hatten (was möglich ist, wenn die Uni nicht nachweisen kann, dass ihre personellen Kapazitäten für einen bestimmten Studiengang nicht mehr Zulassungen erlauben), um sie dann vor allen zu beschimpfen, weil sie die Selektion des Instituts umgangen hatten.
  • Erwähnenswert ist hier auch, dass selbige Dekanin bei FBR-Sitzungen seit je her (also auch bevor sie Dekanin war) einen arroganten Umgang mit uns Studis pflegt, der sich v.a. in bissigen Kommentaren und Unterbrechungen äußert.
    Wie ernst wir manchmal genommen werden, zeigt auch der Fall aus dem Wintersemester 06/07, als sich der FBR auf studentischen Antrag hin fast einstimmig gegen sog. 1-€-Jobs (die damals in großem Stil an einer Hamburger Uni eingeführt wurden, teils sogar im wissenschaftlichen Bereich) am Fachbereich aussprach, die damalige Dekanin Prof. Luig diese Haltung aber nicht dem FU-Präsidum mitteilte, wie es ebenfalls im Antrag vorgesehen war. Bei Nachfrage einige Wochen später, als der Dekanin das angeblich erst auffiel, warf das FBR-Mitglied Prof. Riedmüller dagegen ein, „man muss sich ja nicht zum Affen machen“. Der gefasste Beschluss (!) hatte nämlich nur symbolischen Charakter und keinen bindenden.
  • Zur Sicherheit sei noch gesagt, dass der FBR weniger als ein Feld der politischen Diskussion aufgefasst werden sollte, als vielmehr als ein Verwaltungsgremium zum Durchwinken und Abnicken. Unliebsame Anträge, wie z.B. die Diskussion der öffentlichen Beschimpfung von Prof. Grottian (OSI) durch zwei Kollegen zu Beginn des Sommersemesters, können einfach per Abstimmung von der Tagesordnung genommen werden.
  • Auf Grund all dessen bleibt zu hoffen, dass ihr euch nicht auf Gremien und Gewählte verlasst und die Dinge auch mal selbst in die Hand nehmt!

    Die Protokolle des FBR gibt’s übrigens hier: www.polsoz.fu-berlin.de/verwaltung/dekanat

    Die studentischen Mitglieder erreicht ihr hier: studis_im_fbr(Ä)atomstromfrei.de

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