Neue Zulassungsordnung verschärft Hürden beim Fachwechsel

Bericht aus der „Kommission für Forschung und Lehre“ vom 6.11.2007

Die „Kommission für Forschung und Lehre“ (KfL) ist eine Unterkommission des „Akademischen Senats“, also die ranghöchste Kommission an der FU. Hier sollten eigentlich alle wichtigen, Forschung und Lehre betreffenden Fragen diskutiert und vorbesprochen werden. Anwesend sind neben VertreterInnen der Studierenden, welche die Mehrheit stellen, auch die zuständige Vizepräsidentin sowie VertreterInnen von Mittelbau und Professorenschaft. Jedoch hat sich auch hier das Präsidium viele Funktionen dieser Kommission einfach angeeignet, Studentische Interessen werden untergebuttert. Unser Kurzbericht von der letzten Sitzung der KfL bietet da einige Beispiele: Die geplante neue Zulassungsordnung verhindert Fachwechsel im Sommersemester, Berichte des Präsidiums über Abbruchquoten im Bachelor werden weiterhin verheimlicht etc. pp…

Die Tagesordnung vom 6. Januar:

1. Feststellung der Tagesordnung, Protokollgenehmigung
2. AS-Vorlage: Zulassungsordnung SoSe 08
3. Ergebnisse der Befragung der exmatrikulierten Bachelorstudis an der FU
4. Änderung der Prüfungsordnung für den Studienbereich ABV

1.) Feststellung der Tagesordnung

Der dritte Punkt „Ergebnisse der Befragung der exmatrikulierten BA-Studierenden“ wird auf die nächste Sitzung verschoben, da es „ein Affront wäre, wenn die KfL dieses Papier vor der Runde der Dekane erhält“. Allerdings entstand trotzdem eine Diskussion – mehr dazu unter Punkt drei.
Stefan Günther (Student, FSI Lehramt) beantragte eine Diskussion zur Berufungspraxis, anhand des Beispiels Scharenberg. Albert Scharenberg war ursprunglich für eine Juniorprofessur für Nordamerikastudien vorgesehen, das Präsidium verweigert jedoch bis heute seine Einstellung.
Die Kommission sieht sich nicht als richtige Stelle, da die Lehre angeblich durch die verweigerte Berufung nicht tangiert wird. Dies müsse im Akademischen Senat diskutiert werden. Zudem wurde die Diskussion wird mit dem Argument abgewürgt, dass die Berufung im Verantwortungsbereich der Fachbereiche liege. Die Argumentation, dass das Problem ja gerade im Eingreifen des Präsidiums liegt(das auch durch die Kfl beraten werden soll), wurde nicht gefolgt. Man versteckte sich stattdessen hinter angeblicher Unwissenheit über den Vorgang.

2.) AS-Vorlage: Zulassungsordnung SoSe 08

Die geplante neue Zulassungsordnung sagt aus, dass bis auf Biochemie, Biologie (Mono), Chemie (Mono), Pharmazie-BA und Chemie, Informatik-MA, sowie der weiterbildenden Toxologie-MA für das SoSe 2008 keine Neuimmatrikulation vorgenommen werden.

Es wurde in diesem Zusammenhang die Problematik aufgeworfen, dass Studierende die unzufrieden mit ihrer Studienwahl sind, ein Jahr warten müssten, um ihr Fach zu wechseln – denn ein Fachwechsel im April ist mit der neuen Zulassungsordnung nicht möglich! Außerdem müssen sie dann mit sämtlichen NeubewerberInnen konkurrieren. Diese Unsicherheit kann einen verfrühten Studienabbruch provozieren. Hier wäre eine kulantere Reglung erfreulich, die Studierenden der FU einen Wechsel auch nach dem 1. oder 3. Semester in freiwerdende Plätze ermöglicht. Laut Dr. Fijal wurde dies in der Vergangenheit bei Modulfachwechsel auch kulant behandelt.

3.) Ergebnisse der Befragung der exmatrikulierten Bachelorstudis an der FU

Gleich zu Beginn der Sitzung bat die Vizepräsidentin Christine Keitel-Kreidt darum, den TOP 3 zu verschieben. Die Studiendekaneversammlung hätte am Vortag tagen und dieser die Befragung der exmatrikulierten BA-Studierenden durch Felicitas Thiel (die vor mehreren Semestern auch die FU-BA-Umfrage zu den „Studienbedingungen“ an der FU durchgeführt hatte) vor gestellt werden sollen. Danach hätte sie der KfL vor gelegt werden sollen. Doch die Studiendekaneversammlung sei abgesagt worden, weil zu wenige erschienen seien (die beim Vortrag von Ex-Außenminister Joseph Fischer vermutet wurden). Bevor diese den Bericht nicht gesehen habe, könne es als „Affront“ auf gefasst werden, wenn er der KfL vor der Versammlung vorgelegt würde. Mit dieser fadenscheinigen Argumentation wurde letztlich begründet, dass der Bericht erst mal nicht der KfL vor gelegt wird. Die KfL sprach sich trotz Diskussion nicht dagegen aus.
FU-Vizepräsidentin Keitel-Kreidt teilte mit, Frau Thiel habe danach geforscht, warum die exmatrikulierten BA-Studierenden abgebrochen haben (Keitel-Kreidt betonte, sie hätten selbst abgebrochen): unter anderem nach den Motiven und dem Fachsemester der betreffenden Studierenden.
Viele fingen an, an der FU zu studieren, hätten aber zu wenige Informationen über ihr Fach und ihren Fachbereich. Sie würden oft fest stellen, dass sie sich das Studium anders vor gestellt hätten. Viele machten ein „Parkstudium“, warteten auf eine Möglichkeit der Umschreibung. Dies sei nicht gut für die (O-Ton K-Kr.:) Leistungsbilanz der Fächer. Diese Fächer würden von der FU bzw. der -leitung dafür „bestraft“, ohne dafür verantwortlich zu sein.

Es wurde des Weiteren differenziert, dass es sich nicht um den „Studienerfolgsbericht“ der BA-Studiengänge handele, sondern um einen Folgebericht, der dem „Zahlenmaterial“ des „Studienerfolgsbericht“ Gründe zur Seite stelle. Letzterer sei allein nicht Aussage-fähig (dieselbe Begründung wurde im vergangenen Semester für seine Nicht-Veröffentlichung an geführt). Daher bereite man erst mal die Exmatrikulierten-Umfrage auf. Wolfgang Krieger vom Arbeitsbereich „Controlling“ der FU werde darum gebeten, dies zu tun.

Klar stellte Keitel-Kreidt auch: der „Studienerfolgsbericht“ sei und bleibe ein internes Papier und werde gar nicht veröffentlicht. Wir erinnern uns: im vergangenen Semester sagte sie noch, er werde irgend wann demnächst den KfL-und AS-Mitgliedern zugänglich gemacht. Offensichtlich sind die Zahlen so brisant, dass man sie der Öffentlichkeit nicht zumuten kann – bereits durchgesickerte Teilergebnisse wiesen jedenfalls darauf hin, dass die Abbruchquoten im Bachelor in der Regel höher sind als noch in den alten Magisterstudiengängen.

4.) Änderung der Prüfungsordnung für den Studienbereich ABV

Bei dieser Änderung ging es darum, dass nun auch die Fachbereiche die Praktika organisieren können, statt bisher nur die Fächer. Kritisiert wurde, dass der Antrag in unverständlichem Juristendeutsch formuliert wurde.

Was bleibt als Fazit:

Die Daten über Abbruchquoten im Bachelor sind so brisant, dass sie besser ganz geheim bleiben. Ob die hohen Abbruchquoten nur an „fehlender Information über das Fach“ oder am „Parkstudium“ liegt, darf hier bezweifelt werden. Aber über reale Probleme in der Studienorganisation, chaotische Zustände in allen Bereichen des Bachelorstudiums (angefangen beim Zulassungschaos bis hin zum kaum möglichen Fachwechsel) will das Präsidium anscheinend nicht ernsthaft nachdenken. Im Gegenteil: mit der Weigerung, im Sommersemester wenigstens für höhere Semester Zulassungen und damit Fachwechsel zu ermöglichen, wird das Problem zusätzlich verschärft.

Mathias (FSI Philosophie) und Stefan (Initiative Lehramt)

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2 Gedanken zu “Neue Zulassungsordnung verschärft Hürden beim Fachwechsel

  1. Pingback: “Studienerfolgsbericht” bleibt im Giftschrank « FUwatch

  2. Ein kurzes Update: Die neue Zulassungsordnung wurde mittlerweile im akademischen Senat beschlossen. Zulassungen nach dem „Auffüllprinzip“ zum 2, 4, und 6 Semester finden nun dennoch weiterhin statt. Damit ist ein Fachwechsel für diejenigen, die bereits anrechenbare Leistungen vorweisen, weiterhin möglich – sofern Plätze von AbbrecherInnen vorhanden sind

    Dennoch werden weiterhin Studienfachwechsler innerhalb der FU beim Zulassungsverfahren als „Quereinsteiger“ in der untersten Kategorie berücksichtigt, auch andere diskriminierende Regeln (Fachwechsel nur bis zum 3. Semester, höchstens zwei Semester Abstand zwischen Kernfach und Modulangeboten erlaubt) bleiben in Kraft. Das Fachwechselproblem ist also keineswegs entschärft, sondern genauso virulent wie ehedem.

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