FSI PuK: Aufruf zum Boykott des CHE-Hochschulrankings

Vielleicht hast auch du in den letzten Wochen einen Brief vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) bekommen, der dich zur Teilnahme an einer Online-Befragung einlädt. Das vom CHE durchgeführte Hochschulranking gilt als zentraler Bewertungsmaßstab für Studiengänge in Deutschland. Einmal jährlich werden Studierende zu ihrer Studiensituation befragt. Diesmal sind Studiengänge aus den Bereichen Rechts-, Wirtschafts-, Sozialwissenschaften und Medien an der Reihe, also auch der Studiengang PuK an der FU. Die Ergebnisse werden in der Wochenzeitung Die Zeit und in deren Studienführer sowie online unter www.das-ranking.de publiziert.

Wir, die FSI PuK, rufen Studierende und Lehrende zum Boykott des CHE-Hochschulrankings auf. Unsere Gründe dafür wollen wir im Folgenden kurz darlegen.

Wir sehen schwerwiegende methodische Probleme bei der Konzeption und Durchführung der Befragung. So halten wir den Fragekatalog für problematisch. Zwar werden Studierenden Fragen zur Beurteilung ihrer Studiensituation vorgelegt, jedoch wird nicht nach den Ursachen für die gegebenenfalls bestehenden Probleme gefragt. Die Hintergründe für schlechte Studienbedingungen erschließen sich nicht. So lässt sich die derzeit miserable Situation des PuK-Instituts mit nur vier von acht besetzten Professuren im CHE-Ranking nicht abbilden. Klar wird bei der Befragung nur, dass etwas schlecht ist, aber warum dies der Fall ist, bleibt ungeklärt. Zusätzlich hat sich gezeigt, dass nur inhaltlich eingeschränkte Antwortmöglichkeiten vorgegeben werden. So wurde bereits 2003 bei der vom CHE und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage kritisiert, dass von drei möglichen Antworten, die sich auf Studiengebühren bezogen, keine eine generelle Ablehnung von Studiengebühren zum Ausdruck brachte. Die Antworten bezogen sich nur auf die Befürwortung oder Ablehnung verschiedener Studiengebührenvarianten. Dennoch sah es das CHE als bewiesen an, dass Studierende Studiengebühren mehrheitlich befürworteten, obwohl eine generelle Ablehnung von Studiengebühren in der Umfrage gar nicht ausgedrückt werden konnte. Umfragen, die so tendenziös und politisch motiviert Antwortmöglichkeiten ausschließen, halten wir für hochgradig problematisch.

Weiterhin stellt sich die Frage nach der Wirkung des CHE-Rankings. Das CHE begründet die Relevanz vor allem damit, dass es Studienbewerber_innen als Orientierungshilfe für die Studienplatzwahl dienen soll. Wie schon ausgeführt liefert die Umfrage hierfür keine relevanten Ergebnisse, weil die tatsächliche Studiensituation nicht widergespiegelt wird. Nun könnte argumentiert werden, dass dennoch Kritik über die Teilnahme an der Umfrage und eine schlechte Bewertung des Studiengangs ausgedrückt werden könne. Hier hat jedoch die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt, dass das schlechte Abschneiden des PuK-Instituts zu keiner Verbesserung der Lehrsituation geführt hat. Die Gründe für die Misere sind vielschichtig und lassen sich nicht einfach ausräumen, nur weil der Studiengang schlecht „gerankt“ wurde. Zumal das CHE-Ranking auch keinerlei verbindlichen Charakter hat und problemlos ignoriert werden kann. Die „Kritik“, die durch eine schlechte Bewertung des Studiengangs geäußert werden würde, erreicht nicht die nötige Fundiertheit, um konkrete Handlungsoptionen aufzuzeigen. Somit kann durch die Umfrage von Studierenden keinerlei Einfluss auf Veränderung genommen werden. Studentische Einflussnahme kann nicht über das Ausfüllen eines Fragebogens stattfinden. Kritik an hochschulpolitischen Entwicklungen sollte sich unserer Meinung nach nicht nur äußern, wenn Studierende mal gefragt werden und dann nicht einmal die richtigen Fragen gestellt bekommen. Form und Inhalt der Kritik sollten Studierende lieber selbst bestimmen.

Ein weiteres Argument für den Boykott des CHE-Rankings ist nicht methodischer Natur, sondern eine allgemeine Kritik an der engen Verbindung des Centrums für Hochschulentwicklung zum Medienkonzern Bertelsmann. Gesellschafter_innen des CHE sind die Bertelsmann Stiftung und die Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz. Das CHE bekennt sich ausdrücklich zu „wettbewerbsfähigen“, „wirtschaftlich arbeitenden“ Hochschulen. Somit ist es keine „neutrale“ Instanz, die Studierenden hilfreich zur Seite steht, sondern hat es sich offen zum Ziel gemacht, weitere neoliberale „Reformen“ der Hochschulen zu forcieren, wie etwa die Einführung von Studiengebühren.

Die Studierenden der Alice-Salomon-Fachhochschule (ASFH) in Berlin haben sich bereits zu einem allgemeinen Boykott der Umfrage entschlossen. In diesem Jahr beschlossen sogar die Schweiz und Österreich aus dem CHE-Ranking auszusteigen.

Also, schließt euch dem Boykott des CHE-Hochschulrankings an! Wer Post von CHE bekommt, kann den Brief entweder selbst entsorgen oder ihn im Büro der FSI PuK in Raum 106 in der Garystr. 55 abgeben.

Links zum Thema:

Artikel zum CHE-Boykott der ASFH

Boykottaufruf des AStAs der ASFH

Auch das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren ruft zum Boykott auf

Zur Kritik am Hochschulranking 2003

Wikipedia-Eintrag zu Hochschulrankings

Kritik an Bertelsmann allgemein

Homepage des CHE

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