Bachelorbefragung 2008

Kürzlich wurden die Ergebnisse der „Bachelorbefragung 2008“ vorgestellt. Wieder war hier Felicitas Thiel federführend, der böswillige Verzerrung nicht unterstellt werden kann – wohl aber Arbeit im Auftrag und unter Leitlinien des Präsidiums.

Die Ergebnisse sind hier einzusehen.

Dazu gibt es eine Erfolgsmeldung des Präsidiums und gleichlautende Berichte und Kommentare in der Zeit. Der AK HoPo des AStA FU hat den Umfragebogen dieser Befragung bereits einer ausführlichen Analyse unterzogen und kommt zu folgendem Ergebnis:

Schlussendlich müssen wir also feststellen, dass es sich bei dieser Umfrage um ein teilweise sehr suggestives und undifferenziertes Papier handelt, das zu stark am Ideal der Karriere ausgerichtet ist und keinen Platz für andere Lebensvorstellungen lässt. Die Uni sollte eigentlich ein Ort der freien Bildung und des selbstbestimmten Lernens sein!

Trotzdem lautet natürlich die Kern-Botschaft des Präsidiums – und der Zeit: Schluss mit der Bologna Kritik. Alles Super, weiter so! Womit auch deutlich wird, wofür Bachelor-Befragungen durchgeführt werden. Immerhin: die Probleme mit dem gestiegenen Leistungsdruck werden erwähnt. Aber vielleicht hilft ja der Blick ins Kleingedruckte wirklich – nicht nur der in die Pressemitteilung.

Eine andere Perspektive bietet z.B. die Süddeutsche Zeitung (über dpa) an: Bachelorstudenten klagen über hohen Leistungsdruck

Zur Situation am Institut für Informatik

Liebe Studierende, liebe ProfessorInnen, MitarbeiterInnen, Angehörige des Instituts für Informatik,

die prekäre Raumsituation an unserem Institut setzt in ihrer Offenkundigkeit einen bisherigen Höhepunkt:

  • Die Treppen des Hörsaals sind regelmäßig belegt.
  • In zahlreichen Tutorien musste gestanden werden.
  • Die wenigen Poolrechner sind in Dauernutzung.
  • spline ist es in ihrem (zur Platzschaffung am Institut verkleinerten!) Raum kaum möglich, ihren Aktivitäten in einem offenen Rahmen nachzugehen.
  • Aufenthaltsraum und Teeküche sind fast immer bis auf den letzten Platz genutzt.
  • Seminarräume sind in den Hauptzeiten entweder belegt oder verschlossen.
  • Ein konzentriertes Arbeiten ist Studierenden schlichtweg unmöglich, solange mensch schon Glück haben muss, um einen Arbeitsplatz zu ergattern. Gebessert hat sich die Situation im Vergleich zum Semesterbeginn nur, weil viele Studierende die Veranstaltungen jetzt meiden, daheim arbeiten oder nicht auf die Poolrechner angewiesen sind.

    Die FSI Mathe/Info und die Fachschaft Bioinformatik sind sich bewusst, dass die Institutsleitung nur Teilschuld an der Situation trägt. Trotzdem werden – in unseren Augen fatale – Entscheidungen getroffen, welche die Zustände verschärfen. Wir sehen uns gezwungen, öffentlich die folgenden Punkte zu fordern:

  • Mehr Tutorien
  • Neue Arbeitsräume für Studierende, auch für hochschulpolitische Arbeit
  • Abschaffung der Anwesenheitspflicht zur Entspannung der Tutorien
  • Einbeziehen der Studierenden in die Raumvergabe
  • Des Weiteren verurteilen wir jegliche Bestrebungen, Arbeitsgruppen am Institut Raum zu geben, solange die Situation dermaßen angespannt ist. Wir fordern, dass sich der Fokus des Instituts wieder auf die Lehre richtet.

    Wir haben konkrete Vorschläge, wie die Situation besser für alle Anwesenden gestaltet werden kann. Diese wollen wir in einer für alle Studierenden offenen Gesprächsrunde mit der Institutsleitung vortragen und diskutieren.

    Fachschaftsinitiative Mathematik/Informatik
    fsi.spline.de
    fsi {at} lists.spline.de

    Fachschaft Bioinformatik
    www.bioinformatik-berlin.de
    fsbr_bioinf {at} lists.spline.de

    Veranstaltungshinweis: Imperialismus in der Wissenschaft

    Die Theorie der neuen Kriege als intellektuelle Brandstiftung?

    Als „failed states“ bezeichnete Staaten scheinen legitime Einsatzorte von militärischen Interventionen; sie werden zu „Polizeiaktionen“ oder „humanitären Interventionen“ umgedeutet. Die Frage der Regierbarkeit („Governance“) dieser Staaten wird Gegenstand internationaler Machtinteressen und es entstehen neue Formen imperialer Politik. Die Bedeutung wissenschaftlicher Theorie und Forschung zur strategischen Orientierung und Legitimation neuer Kriege nimmt zu. Die Veranstaltung beleuchtet den „transnationalen Imperialismus“ und geht auf zwei Berliner Standorte imperialer Theorieproduktion und Legitimationsbeschaffung ein.

    Referenten:
    Jürgen Wagner (Informationsstelle Militarisierung, Tübingen) spricht über die Bedeutung der wissenschaftlichen Arbeiten des Sonderforschungsbereichs 700 an der FU Berlin und der Theorie Herfried Münklers als „intellektuelle Brandstiftung“ für globale Kriege

    Rainer Rilling (Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Bereich Politikanalyse) spricht über die Veränderung globaler Macht- und Herrschaftsverhältnisse und die Konstitution des „Empire“ als neue imperiale Weltordnung

    Donnerstag | 13.11.08 | 18.30h
    Universitätsgebäude am Hegelplatz
    Dorotheenstraße 24 | Raum 1.201

    Eine gemeinsame Veranstaltung vom Referat für Internationalismus des ReferentInnenrates der Humboldt-Universität und der Hellen Panke

    http://www.kritischewissenschaft.wordpress.com
    http://www.refrat.de
    http://www.helle-panke.de

    Wenn Studierende an ihrer Universität festgenommen werden…

    Am 05.11. fand im Henry-Ford-Bau die zentrale Immatrikulationsfeier statt. An der Gestaltung der Feier gab es schon im Vorfeld Kritik. Die Veranstaltung war nur zugänglich für angemeldete Erstsemester und zwei Begleiter_innen. Die Datenschutzbeauftragte der Uni kritisierte, dass alle Angemeldeten ihre persönlichen Daten inklusive Telefonnummer angeben mussten. Und auch die Einladung Horst Köhlers als Festredner sorgte für Wirbel.

    Vor diesem Hintergrund standen dann auch die Proteste, die während der Veranstaltung stattfanden. Studierende wollten die Teilnehmer_innen friedlich darauf aufmerksam machen, dass der erzeugte Schein von Exzellenz und Exklusivität dieser Uni nichts ist, wovon man sich zu sehr beeindrucken lassen sollte.

    Was dann geschah, ist ein für die letzten Jahre außergewöhnlicher Vorgang. Protestierende Studierende sahen sich auf dem Unigelände massiver Polizeirepression gegenüber. Zunächst wurden massenhaft Platzverweise gegen Einzelpersonen ausgesprochen, weil diese vor dem Eingang des Henry-Ford-Baus Plakate hielten. Unter Androhung einer Strafanzeige wurde das mit dem Verstoß gegen das Versammlungsgesetz begründet. Diese Platzverweise wirkten anfangs noch bizarr, da sie sogar verschiedene Universitätsgebäude mit einschlossen.

    Dann kam es aber zu fünf Festnahmen. Mit zum Teil heftiger Gewalt wurden Studierende unmittelbar auf dem Gelände ihrer Universität festgenommen und das wegen an den Haaren herbeigezogener Vorwürfe wie dem der Bundespräsidentenbeleidigung. Der Skandal daran ist vor allem, dass es nicht mal mehr erlaubt ist, dass wir Studierende an unserer Uni friedlich unsere Meinung äußern. Wenn ein Universitätspräsidium, das sich selbst gerne mit den Bekenntnissen zu Freiheit und Demokratie schmückt, derart repressive Zustände zulässt, sollte das wirklich zu denken geben. Wenn man noch nicht mal mehr als Einzelperson an der eigenen Uni seine Gedanken äußern darf, dann gelten hier elementare Grundsätze der Meinungsfreiheit nicht mehr.

    Wichtig ist es jetzt, diesen Vorfall nicht einfach so geschehen zu lassen. Man muss deutlich machen, dass hier eine Grenze überschritten wurde.

    FSI / Offene Liste – im Akademischen Senat

    Am 13. und 14. Januar 2009 findet die Wahl zum Akademischen Senat (AS), zum ruhenden Kuratorium und zu den Fachbereichsräten der FU statt. Diese werden alle 2 Jahre gewählt. Auch die Studierenden haben in diesen Gremien (bisher noch…) Sitze und Stimmrecht. Wahlvorschläge dafür müssen bis zum 25. November 2008 um 12.00 beim Zentralen Wahlvorstand (AS und Kuratorium) bzw. bei den den Dezentralen Wahlvorständen der verschiedenen Fachbereiche eingegangen sein.

    Hierzu die Bekanntmachung des Zentralen Wahlvorstandes der FU.

    Für die verschiedenen Fachbereichsräte, für die die selben Fristen und dasselbe Wahldatum gilt, könnt ihr euch beim Dezentralen Wahlvorstand des Fachbereichs, in dem Ihr Euer Hauptfach/Kernfach belegt informieren.

    Beim letzten Mal vor zwei Jahren hat die FSI/Offene Liste sehr erfolgreich 2 von 4 studentischen AS-Sitzen gewinnen können. Noch zwei Jahre zuvor war es nur 1 Sitz gewesen.

    Meistens hat Sarah Walz vom Politikwissenschaftlichen Institut der FU einen der so gewonnenen zwei Sitze aktiv wahr genommen. Sie fungierte zumeist auch als Sprecherin der vier im AS sitzenden Studierenden, von denen die anderen zwei Sitze zur Zeit einerseits von der hochschulpolitischen Gruppierung der „Grünen“, andererseits von der FDP-nahen „Liberalen Hochschulgruppe“ (LHG) und dem „Demokratischen Forum“ (DeFo) gestellt werden. Für alle vier Sitze gibt es auch verschiedene studentische Nachrücker/innen der jeweiligen Listen, die im Falle der Abwesenheit die gewählten studentischen AS-Mitglieder ihrer Liste vertreten.

    Trotz unterschiedlicher Anschauungen konnte Sarah Walz oftmals auch die Stimmen von „Grünen“ und „LHG/DeFo“ hinter sich vereinen. Die Studierenden stellen per Gesetz im AS die Minderheit und die Professor/innen die absolute aristokratische Mehrheit von 13 Sitzen. Trotz dieses Demokratie-Mangels konnten, auch durch ein geschlossenes Auftreten, die Studierenden den einen oder anderen kritischen Akzent im AS setzen. Der Linie des FU-Präsidiums, das eine große Professor/innen-Mehrheit der „Vereinten Mitte“ im AS hinter sich weiß, konnte erfolgreich an verschiedenen Punkten eine eigene kritische studentische Politik entgegen gesetzt werden. Es konnten Informationen gewonnen werden, die dann für politische Arbeit außerhalb der Gremien genutzt werden konnten (z.B. Zukunftskonzept Internationale Netzwerkuniversität, zu Campus Management, „Studienreform“ und verschiedenen anderen Dingen).

    Inhaltliche Eckpunkte des Selbstverständnisse der Liste
    „Fachschaftsinitiativen/Offene Liste“

  • Konsequenter Eintritt für eine Öffnung der Universität, Widerstand gegen jede Form von Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen und besondere Auswahlverfahren.
  • Eintritt für eine breite und vielfältige Universität, gegen die Konzentration zu sog. Clustern und gegen den Aufbau von Elitezentren.
  • Eintritt gegen die Kommerzialisierung der Bildung und gegen die marktwirtschaftliche Leitung der Universität. Gegen das Outsourcing von Universitätsaufgaben an private Unternehmen und gegen den kommerziellen Export von Studiengängen.
  • Eintritt für unkomplizierte und studierendenfreundliche Studienordnungen, die einen selbstbestimmten Lernprozess ermöglichen und die die Lebens- und Arbeitsrealität der Studierenden berücksichtigen. Gegen die Einengung von Wahlmöglichkeiten und die Zunahme von Zwangsveranstaltungen und Anwesenheitskontrollen. Gegen repressive Elemente wie Maluspunkte und Zwangsexmatrikulation.
  • Eintritt für selbstorganisierte Lernprozesse, wie sie z.B. bis zur Abschaffung des Projekttutorienprogramms institutionalisiert waren.
  • Für informationelle Selbsbestimmung. Gegen HisPos-Chipkarten und ähnliche digitale Kontrollsysteme, gegen verschärfte An- und Abmeldesysteme in den Studiengängen und gegen Rasterfahndung an der Uni.
  • Sie soll nicht nur die B.A.- und M.A.-Studierenden, sondern darüber hinaus explizit die noch zahlreich in der FU studierenden „alten“ Studierenden des Magister, Staatsexamens und des Diploms mit vertreten, die bis 2010 unter immer stärkeren Druck der Abwicklung geraten werden. Sie soll darauf einwirken, die nicht mehr zu verschweigenden massiven Fehlentwicklungen der so genannten „Studienreform“ grundsätzlich zu hinterfragen und zu korrigieren.
  • Die öffentliche Arbeit der Studierenden in den Gremien. Die basisdemokratisch rückgebundene Ausübung eines Mandats macht nur Sinn unter enger Zusammenarbeit mit studentischen Bewegungen und den „repräsentierten“ Studierenden außerhalb der Gremien bzw. in anderen Gremien.
  • FU-Präsident Lenzen will mehr und bessere Wirtschaft wagen

    Pädagogik-Professor Lenzen zeigt mal wieder, wie Deutschland noch zu retten ist. Vor ca. fünf Jahren fiel er ja schon als Koordinator einer Studie im Auftrag der bayerischen Metallindustrie auf, wo eine Hundertschaft an wissenschaftlichen Bediensteten u.a. die Ausrichtung des Schulsektors an Wettbewerb und „unternehmensnahen Inhalten“ propagierte. Die Studie heißt „Bildung neu denken“ und findet sich auch im Internet.

    Zu Vorlesungsbeginn hat er nun in der FU-Beilage zur FU-nahen Tageszeitung „Tagesspiegel“ einen Kommentar zur Krise auf den Finanzmärkten veröffentlicht. Titel: Pisa-Schock der Wirtschaft.

    Darin moniert er die geringe Kompetenz von „Bankberatern“, die lange Zeit zu riskanten Anlagen rieten. Also wieder der Hinweis:

    Es ist inakzeptabel, dass in deutschen Schulen eine wissenschaftlich abgesicherte Unterrichtung in Sachen Wirtschaft nicht stattfindet […].

    Schon „in der Sekundarstufe“ müsse gelernt werden, „mit seinem eigenen Geld zu haushalten.“ Kennt ihr auch Leute, die gerade viel Geld verloren haben? Fragt sie mal, ob sie sich ihrer Mitverantwortung für die aktuelle Krise eigentlich bewusst sind!

    Nicht nur die Studienpläne der Wirtschaftswissenschaften sollten jetzt seiner Meinung nach auf die Vermittlung von Verantwortungsbewusstsein hin abgeklopft werden:

    Wir müssen uns fragen, ob zur allgemeinen Berufsvorbereitung im Bachelor-Studium auch wirtschaftswissenschaftliche Grundsachverhalte vermittelt werden müssen.

    Ja, vielleicht sollten wir dann alle noch mal ein paar Kurse an der FU machen, damit wir nicht wieder unser Geld falsch anlegen und das Wirtschaftssystem gefährden.

    Andere können nix dafür und müssen die Suppe jetzt auslöffeln. Selbst so ein eiskalter Präsident wird plötzlich mitfühlend und nachdenklich:

    Denn an unseren Universitäten sind diejenigen ausgebildet worden, die zu verantworten haben, dass ein erheblicher Teil der Weltentwicklung um hundert Jahre zurückgeworfen wurde.

    Ein Teil der Weltentwicklung. Zurückgeworfen. Hm. Was soll das bedeuten? Heißt das vielleicht, auch der Klimawandel wird teilweise rückgängig gemacht?

    Jetzt fordert jedenfalls auch er eine andere Verwendung der Mittel, die von der Bundesregierung plötzlich locker gemacht wurden: Zur „Finanzierung eines wirtschaftswissenschaftlichen Kompetenzzentrums in einer Universität“.

    Ziemlich wegweisend mal wieder, so isser halt, der exzellente Präsident. Welche der gekürten Elite-Unis hat schon so einen? Wenn es dafür Extra-Punkte im „Exzellenzwettbewerb“ gegeben hätte, wäre die FU sicherlich schon beim ersten Mal auserwählt worden.

    Hoffentlich sind derart tiefsinnige Aussprüche nicht zu viel des Guten:

    Die Finanzkrise ist so etwas wie der PISA-Schock des Wirtschaftssystems, nur dass es diesmal nicht um Schule geht, sondern um Wirklichkeit.

    Viel Spaß beim Grübeln!