Veranstaltungshinweis: Who the Fuck is SFB 700?

sfb700

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Governance-Forschung weltweit – Auftragsforschung in Afghanistan?

Diskussionsveranstaltung mit Detlef Hartmann am Freitag, den 12.12.2008 um 16:00 Uhr im Otto-Suhr-Institut, Ihnestraße 21, Hörsaal B (U-Bhf: Thielplatz).

Der am Otto-Suhr-Institut der FU angesiedelte Sonderforschungsbereich „Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit – neue Formen des Regierens?“ (SFB 700) ist nun schon in einigen Publikationen in kritischer Absicht thematisiert worden:

Staat im Rückzug: Geheimdienste warnen vor Kontrollverlust in urbanen Zentren. Wissenschaftler und Militärs entwickeln Strategien. In: telepolis 06.04.2008

Detlef Hartmann: „Die Knarre in der einen Hand, den Bleistift in der anderen.“ – Forschen für die neuen Kriege im SFB 700 der FU Berlin – In: Texte von Detlef Hartmann 2008

Zur Klärung vieler Fragen – z.B. die aktuellste, ob es Auftragsforschung für das Verteidigungsministerium gab – gibt es nun eine Diskussionsveranstaltung mit einem oben angesprochenen Kritiker.

Überblick über bisherige Veranstaltungen zum SFB 700 auf fuwatch: Kritik am SFB 700 nimmt zu.

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16 Gedanken zu “Veranstaltungshinweis: Who the Fuck is SFB 700?

  1. das wird bestimmt eine super veranstaltung, wenn die diskussion das hohe niveau hält, das flyer und der artikel von herrn hartmann versprechen. von den aussagen auf dem flyer sind zwei schlicht falsch und eine weitere zumindest grob irreführenden: (1) der sfb nutzt keine räume in der ihnestr. 26, folglich wird diese für ihn auch wohl kaum „geräumt“ worden sein. (2) auf welche fakten stützt sich die behauptung, dass der sfb räume der osi-bibliothek haben möchte? die büros des sfb befinden sich alle am breitenbachplatz und da stehen auch die wenigen bücher die mit sfb mitteln angeschafft wurden, die im übrigen allen studierenden zur verfügung stehen, sie tauchen im opac mit dem standort sfb 700 auf und wurden von den mitteln des sfbs beschafft. (3) das 30 promovierende am sfb konzentriert sind impliziert, dass sie wo anders „weggenommen“ wurden. vielmehr ist es so, dass ca. 40 doktorandenstellen durch die mittel des sfbs erst geschaffen wurden, womit sich auch das millionenbudget erklärt. ein großteil der mittel finanziert das gehalt der wissenschaftlichen mitarbeiterinnen und studentischen hilfskräfte des sfbs, läßt sich alles im von der dfg bewilligten antrag nachlesen. im übrigen lehren viele der wimis des sfbs am osi und tragen somit zu einem breiten lehrangebot bei (nein, nicht nur governance, sondern z.b. auch judith butler seminare). zu herrn hartmann: der artikel ist eine sammlung faktische fehler, wüster verschwörungstheorien und argumantativer armseligkeiten. ich will nicht behaupten es gäbe am sfb nichts zu kritisieren. aber einen solchen bullshit wie diesen artikel und dessen autor als basis für eine fundierte kritik zu nehmen ist ein trauriger beweis für nicht vorhande intellektuelle redlichkeit der kritikerinnen. warum nicht jemanden einladen der aus einer fundierten wissenschaftlichen perspektive kritik üben kann? und dazu vielleicht sogar auch noch vertreterinnen des sfbs, damit diese auf kritik reagieren können, das wär doch was. so wär ich eher skeptisch.

  2. Schön. Dann komm zur veranstaltung, cjs, denn (u.a.) genau dafür wird sie organisiert.

    Fakt ist: Die ihnestr. 26 wurde kurzfristig geräumt. Vielleicht nicht für leute, die direkt am sfb arbeiten. Aber so etwas (die rausgeschmissenen fühlten sich schlicht überrumpelt) passiert nicht einfach so und nicht für irgendwen. Die machtverhältnisse am osi sind ja nun mal bekannt.
    Und zumindest eine person vom sfb arbeitet offiziell in der ihnestr. 26:
    http://www.sfb-governance.de/teilprojekte/projektbereich_a/a1/teama1/barnutz.html

    Der zweite von dir angesprochene punkt ist nur dann eine falsche behauptung, wenn du das gegenteil beweisen kannst. Bist du dir sicher, dass nicht von führenden figuren des sfb kürzlich intern die räume der osi-bib im erdgeschoss offen angepeilt wurden?

    Der dritte punkt deinerseits ist eine unterstellung. Auf dem plakat werden fakten aufgezählt. Eine wertung ist damit ganz offensichtlich nicht verbunden. Der titel der veranstaltung ist vielmehr ernst zu nehmen. Es scheint nicht allzu viel wissen über den sfb zu geben. Das wird nach dem 12.12. sicherlich anders sein.
    Das gleiche argument gilt für die einladung hartmanns. Wer wirklich tief gehende argumente hat, wird sich ebenfalls am 12.12. zeigen – so oder so.
    Eingeladen sind übrigens offensichtlich alle interessierten.

  3. Pingback: Diskussionsveranstaltung zum SFB 700 « FUwatch

  4. Ich finde es nur einfach mal wieder arm, dass man sich nicht auf eine Diskussion einläßt und auch einen Wissenschaftler des SFB einlädt, um mit Herrn Hartmann zu diskutieren.

  5. aber. liebe/-r cjs, lieber richard.

    wer verbietet es den wissenschaftlern, an der veranstaltung teilzunehmen, brauchen sie dafür eine extra-einladung? Auf dem flyer steht nicht, daß wissenschaftlern des sfb 700 der zutritt zur verantaltung verwehr ist. aber podien zur pflege des polierten image sind doch genug vorhanden, weshalb sollten sich studenten und besorgte unimitarbeiter, die die kritische seite interessiert, um die belange der sfb-mitarbeiter zusätzlich kümmern. Auf der diskussionsveranstaltung zu erscheinen, ist schlicht eigene verantwortung der wissenschaftler selbst. Möglicherweise mehr als nur eine verantwortung, aber das müssen die wissenschaftler selbst wissen.

    Kurzum zur wiederholung: der sfb hat seine eigene homepage. PR-arbeit weiß er schon sehr gut selbst zu betreiben, die veranstaltung muß diesen punkt also nicht zusätzlich mit abhaken. Die luft auf der veranstaltung wird sicherlich nicht so angenehm-frisch-elitär sein, wie auf den fluren alltags im wissenschaftlichen betrieb. Aber wenn die wissenschaftler sich der kritik stellen wollen – und nachweisen wollen (statt nur zu behaupten), daß der artikel/beitrag in pukto publizistischer professionalität und recherchestärke auf tönernen oder wackligen füßen steht: dann liegt es an ihnen, sich von den ruhenden sesseln zu erheben und auf der veanstaltung zu erscheinen.

  6. Lieber Yo,
    Du argumentierst ja genau so eindrucksvoll wie Herr Hartmann. Zu (1): Die Mitarbeiterinnen in der Ihne 26 mussten umziehen. So weit so aergerlich fuer die Betroffenen. Aberdie Behauptung, dass das auf Kosten des SFBs geht ist falsch, auch wenn ein Mitarbeiter da nun sein Buero hat. Ist es nicht vielmehr so, dass da jetzt u.a. die Promovierenden der Gradschool fuer Transnationales ihre Bueros haben? Zu (2): Ich hab mit den angefuehrten Argumenten bezweifelt, dass der SFB die OSI Bib haben will. Es waere nun an dir, die von dir verteidigte Behauptung zu belegen. Wenn Du dafuer Belege hast bin ich sehr gerne bereit diese zu akzeptieren. Aber ich (und auch sonst niemand) kann schlichtweg nicht Bweisen, dass jemand oder etwas keine Intention hat x zu tun. Die Beweislast liegt immer bei demjenigen der eine Behauptung aufstellt, du kennst das aus dem tatort.
    Zu (3): Wie wurdest Du eine Schlagzeile wie diese interpretieren „Unternehmen x konzentriert 30 Stellen in seiner IT Abteilung in Berlin“ wuerdest Du davon ausgehen, dass x zumindest einen Teil dre Stellen wo anders abzogen hat, oder dass x 30 neue Stellen geschaffen hat, die vorher nicht existierten? Muesste man im zweiten Fall nicht schreiben “ X hat 30 neue Stellen in seiner IT Abteilung geschaffen“.
    Ich kann am 12. leider nicht dabei sein, wuensche aber allen Beteiligten eine hoffentlich konstruktive und sachlich Diskussion. Im ernst.

  7. … ist nun mal arm. Viele studis auch. Überhaupt werden fast alle menschen immer ärmer, hast du das noch nicht bemerkt? Ist das nicht skandalös? Ach ja, es sind tatsächlich alle am thema interessierten eingeladen. Und es darf dann auch diskutiert werden, auch mit dem herrn hartmann, das ist durchaus im veranstaltungskonzept berücksichtigt. Also keine falsche scheu und keine bösen gedanken!

  8. Liebe Interessierte,

    ich bin Afghanin, promoviere über State-Building in Afghanistan und habe die letzten vier Jahre in Afghanistan gearbeitet und geforscht. Ich halte diese völlig abseits jeglicher Form von konstruktiver, wissenschaftlich geprägter Diskussion, geführt von wenig informierten Studenten nicht mehr aus! Ich beobachte nun diese Diskussion seit über zwei Wochen und mit den oben angekündigten drei maßgeblichen Punkten hat die ursprüngliche Motivation doch sowieso nichts mehr zu tun. Nun gilt es ans Eingemachte: Räume und, Gelder‘. Wie armselig ist das eigentlich?????!!!
    Die ganze Diskussion um den Kriegseinsatz in Afghanistan erstens zu instrumentalisieren für eigene Zwecke, darüberhinaus ernsthafte, gute und im Gegensatz zu Euch aktive Wissenschaftler, die sich um die Belange der Afghanen, den Staatsaufbau und der Möglichkeit bemühen mein Land nicht immer weiter in den Abgrund sinken zu lassen, als Kriegstreiber zu denunzieren geht offensichtlich zu weit. Ich habe noch nie einer solchen dekonstruktiven, sinnlosen Hetzerei zu Afghanistan beigewohnt. Wisst Ihr denn überhaupt worüber Ihr spricht?! War irgendeiner Eurer Star-Kritiker überhaupt mal in der Nähe dieses Landes und weiß, dass wenn z.B. die Bundeswehr im Norden abgezogen würde, 48 Stunden später alteingesessene Warlords und andere anti-staatliche Gruppierungen (Taliban, al-Qaida und Co) wieder die Macht an sich gerissen hätten. Wer ist denn derzeitig im Besitz von Waffen? Wer kontrolliert in diesem Staat Gewalt? Forschung hilft den Menschen und dem afghanischen Staat Keimzellen anti-staatlicher, als auch anti-menschlicher Gewaltherrschaft zu identifizieren, um endlich nach fast 30 Jahren Krieg in diesem Land einen gewissen Grad an Sicherheit zu gewährleisten. Vielleicht solltest Ihr Euch lieber mal ernsthaft mit Themen wie Staatsaufbauprozessen, während und nach asymmetrischen Kriegen, über traditionell geprägte Gesellschaftsformen und der Möglichkeit intern Sicherheit zu garantieren informieren, um eine eher fruchtbare Debatte ins Laufen bringen zu können.
    Wie stellt Ihr Euch eigentlich bitte vor, wie ein freundlicher Entwicklungshelfer einem Drogenbaronen, der eine Bataillon von (bis zu den Zähnen) bewaffneten Taliban-Kämpfern hinter sich stehen hat, die Ausbeutung der afghanischen Landbauern verbieten soll. Wenn der Staat vor allem selbst bis zum Äußersten korrupt ist und nicht in der Lage diese Position zu übernehmen. Bitte informiert Euch erst mal über die enorme Komplexität dieses Konfliktes, bevor Ihr wie die Blinden über die Farbe diskutiert.
    Ich kann ehrlich nicht verstehen, worauf genau diese Diskussion hinauslaufen soll. Ich finde es auch wirklich peinlich, dass Ihr nicht mal einen SFB Wissenschaftler zu Eurer Diskussion eingeladen habt. Das spricht auch Bände über die Seriosität Eurer Forderungen.
    Heutzutage bedarf es etwas mehr um ‚links‘ zu sein. Wir sind nicht mehr in den „peace and love“- Zeiten der 70er Jahre, in denen es ausreichte gegen irgendeinen Krieg zu sein. Heute bedarf es weitaus mehr Wissen um Ursache und Wirkung, Wissen darüber, dass ohne militärischen Einsatz in Afghanistan weitaus weniger Sicherheit, weniger Nahrungssicherung, weniger elementare medizinische Versorgung und noch weniger Infrastruktur bestehen würde, als dies bereits der Fall ist. Mal ganz abgesehen von all den Kindern (6 Millionen), die nach vielen Kriegsjahren eine ordentliche Schule besuchen dürfen und nicht mehr vom Dorfmullah zum Jihad erzogen werden.
    Es ist traurig zu sehen, dass Eure Solidarität zu meinem Land darin besteht aus einer snobistischen, pseudo-revolutionären Haltung heraus, all das bisher Geleistete, all die Arbeit dieser Wissenschaftler einfach zu verneinen. Ich bin in diesem Land geboren und weiß was es bedeutet in Unsicherheit zu leben, keine Rechtssicherheit zu haben, niemandem aus dem staatlichen Gefüge vertrauen zu können. All das versucht die internationale Gemeinschaft in diesem Land zumindest ein Stück weit wieder aufzubauen, und wenn sich Wissenschaftler damit kritisch auseinandersetzen und zu dem Ergebnis kommen, dass Afghanen diese Bemühungen zu einem gewissen Grade willkommen heißen, dann möchte ich gerne von Euch andere Datensätze und ausgearbeitete Forschungsinhalte sehen, die das Gegenteil behaupten.
    Ich finde es gerade als Afghanin wirklich traurig, dass eine Masse von Uninformierten ein solch wichtiges Projekt und Unterfangen so denunziert und versucht aus selbstverherrlichenden Gründen die Forschung von ernsthaften Wissenschaftlern zu zerstören. Im Gegensatz zu Euch sind diese Leute tatsächlich in das Land gegangen und haben dort Wochen und Monate geforscht, mit den Menschen gesprochen und versucht die Situation zu verstehen und vor allem versucht neutral eine Antwort auf die Misere zu finden!

  9. Liebe Soma,

    andere Datensätze kannst Du gerne haben, z.B. hier: http://www.jpberlin.de/online-ag/?p=101 oder insgesamt bei der RAND-Corporation.
    Wenn Du in Afghanistan warst, dann weißt Du sicherlich auch, was die Leute dort über die neue Regierung denken, dass die Bundeswehr mit den von Dir gehassten Warlords kooperiert und einige von ihnen sogar als private Sicherheitsdienstleister angestellt haben. Du weißt sicherlich auch, wer für die neue Armee und die neue Polizei ausgebildet wird. Die Alternative wäre auch nicht besser: Diejenigen Männer an der Waffe auszubilden, die das bislang noch nicht waren, auf dass irgendwann jeder in einer bewaffneten Einheit ist.
    Tut mir leid, das mag jetzt etwas hart klingen, aber von dem, wie und was Du hier schreibst, magst Du in Afghanistan geboren sein, Dich aufgrund dieser Tatsache aber als Afghanin zu bezeichnen, als jemand, der die Menschen dort besser versteht, halte ich für fragwürdig. Auch Deine „Neutralität“ würde ich in Frage stellen, weil du alles was staatlich ist, mit irgendwie menschlich gleichsetzt. Das scheint bei Dir eine kognitive Prämisse zu sein. Sowas haben wir alle und das behindert Neutralität.
    Was für ein Kriegsgeheul…

  10. @mario: Danke, Mario! Super Beitrag!! Vielleicht ein klein wenig selbstgerecht gegenüber Soma, aber seis drum.
    Besonders verdankenswert ist der Hinweis auf “anderen Datensätze”, welche über die
    Kritische Online AG Neue Kriege einzusehen sind. (Ich gehe mal davon aus, dass die diese Kritische AG selbst nicht als Datensatz betrachtest). Also, da wären: Sapperfield, Jones und Wilder. Ich habe, augenscheinlich im Gegensatz zu Dir, diese Aufsätze gelesen. Ich mache mir mal die Mühe, für Dich diese Artikel, auf welche Du verweist, zusammen zu fassen:

    Der Artikel von Sapperfield beruht auf einigen wenigen Interwies in Herat, auf Grund derer er zum Schluss gelangt, dass die organisierte Kriminalität zunimmt, und die Polizei oft Teil des Problems ist. Zum exakt selben Befund kommen überigens auch Koehler / Zürcher, für den Nordwesten (eine Studie, die Du wohl auch nicht gelesen hast).

    Jones schreibt über counterinsurgency, sein Fazit ist: „The core argument of this study is that the United States should focus its resources on developing capabilities that help improve the capacity of the indigenous government and its security forces to wage
    counterinsurgency warfare“.

    Wilder schllesslich ist ein seriöser Wissenschaftler, der analysert, was beim Polizeiaufbau alles schief gelaufen ist. Es ist im wesentlichen ein policy paper, welches die Polizeiaufbau verbessern will (den im überigen im wesentlichen D verbockt hat)

    Keines dieser Papier steht in irgendeinem Widerspruch zu der Hauptaussage von Soma, ganz im Gegenteil! Diese drei von Dir angeführten Studie sagen, dass der Polizeiaufbau höchst problematisch ist, dass die afgahnsichen Regierung sich nicht alleine gegen die Aufständischen wehren kann, und dasss Kriminalität zu einem Problem geworden ist. Ein Ende des Engagements in Afghanistan ist keine Lösung für diese drei Probleme. Zudem nimmst Du vielleicht einfach mal zu Kenntnis, dass die überwiegende Mehrzahl der AfghanInnen unter allen Umständen will, dass das Engagement weitergeht. Auch das militärische.

    Dein selbtsgerechter Duktus ist peinlich genug, Mario. Aber wie dämlich ist es, wenn jemand zur Untermauerung seiner dümmlichen Argumentation auf Texte verweist, die das Gegenteil behaupten? Ach herrje.

  11. Liebe leute,
    wissenschaftlichkeit ist ja schon auch was gutes. Aber dazu gehört erstens eine gewisse ernsthaftigkeit, ein guter wille; und zweitens basale fähigkeiten zum erfassen von zusammenhängen und aussagen.

    Nirgendwo auf diesem blog oder bei der veranstaltungsankündigung ging es um afghanistan, koehler/ zürcher, die böse militärische intervention dort etc. Es geht um den sfb 700 an sich.
    Dem wird aber nirgendwo hier der vorwurf gemacht, gegen die afghan. bevölkerung zu sein, kriegerische handlungen zu unterstützen etc. Und weder hier noch woanders wird gefordert, die bundeswehr oder sonst eine armee abzuziehen.
    Was soll also die ganze aufregung? Das sieht eher nach total unwissenschaftlichem engagement aus.

    Wo wir aber schon beim thema sind, noch ein punkt. Er wird euch in eurem politikwissenschaftsstudium vielleicht weiterbringen.
    Es gibt seit langem kritische intellektuelle traditionen, die dargelegt haben, dass der kapitalistische staat (kurzfassung! bitte nicht diesen begriff diskutieren, er ersetzt nur eine historische herleitung) fundamental zu kritisieren ist. Ich spare mir details. Wenn also so ein staat in afghanistan implementiert werden soll, muss gefragt werden, warum. Bzw es muss kritik geübt werden. Was aber nicht bedeutet, dass der jetzige zustand in afghanistan besser wäre und bleiben soll. Seid ihr nicht auf die idee gekommen, dass beide gleichzeitig kritisiert werden können?
    Wie auch immer, das gute an wissenschaft ist, dass sie NICHT UNBEDINGT direkte handlungsanweisungen geben muss. Sie kann auch erst einmal sagen: „Das ist ganz schön kompliziert, wir müssen das und das alles berücksichtigen.“ Das kann die afghan. bevölk. nicht sagen, klar, die freut sich einfach über verbesserungen. Diesen standpunkt kann wissenschaft aber nicht einnehmen!
    Wenn nun leute dahin gehen, forschen, und bestimmte kritikpunkte gar nicht erst thematisieren (was hätte afghanistan denn von seiner einbindung in die staatengemeinschaft NEGATIVES? Spontan wissen wir alle: Wirtschaftskrisen, unterwerfung unter den iwf, abhängigkeit von den mächtigen staaten, ökologische katastrophen wie in jedem staat etc.) dann müssen sie sich fragen lassen, mit welcher intention sie eigentlich wissenschaft betreiben. Denn alle haben intentionen dabei.
    Und das ist auch der punkt, der bei einer universitären diskussion thema sein muss und vielleicht auch bei dieser am osi sein wird.

    Wer die intention hat, die ganze welt unserem system anzupassen, weil das besser als alles andere ist; wer meint, dass staaten aus menschenfreundlichkeit ihr militär in andere länder schicken, oder dass der kapitalistisch erwirtschaftete reichtum und luxus in den reichen ländern für die bevölkerung gemacht ist, sollte bei der promotion o.ä. eine pause einlegen und sich mit grundsätzlichen fragen zu politik und geschichte beschäftigen.

  12. Yo, Dein Kurzzeitgedächtnis scheint doch arg begrenzt – wie kommst Du denn darauf, dass es bei „Who the fuck…“ nicht auch um Afghanistan ginge? Oder liest Du nie Untertitel, weil Lesen doch generell anstrengend ist? Wie dem auch immer sei.
    Mich erstaunt – einmal mehr – die grossspurige Dreistigkeit, mit der Du glaubst, über die Frage räsonieren zu dürfen, ob die Afghanen einen Staat „implementieren“ dürfen. Glaub mir, 32 Millionen wollen einen Staat.
    Weiter: „was hätte afghanistan denn von seiner einbindung in die staatengemeinschaft NEGATIVES? Spontan wissen wir alle: Wirtschaftskrisen, unterwerfung unter den iwf, abhängigkeit von den mächtigen staaten, ökologische katastrophen wie in jedem staat etc“
    nein, yo, das wissen wir nicht alle spontan, das weisst nur Du spontan. DIe etwas klügeren „wissen“ auch nicht „spontan“, sie denken erst mal nach. Und dabei kommt ihnen in den Sinn: Ob eines der ärmsten
    Länder der Welt Wirtschaftkrisen fürchtet? Ob die Währungsreform in Afgh nicht ein voller Erfolg war? Ob Afgh nicht schon so von Pakistan und den USA ganz schön abhängig ist? Ob „kein Staat“ das Mittel gegen ökologische Katastrophen ist?
    Noch weiter: Sozialwissenschaft hat keine Intentionen, sie hat erst mal Fragestellungen.Demagogen haben Intentionen.
    Hoffe, das bringt Dich ein Deinem politikwissenschaftlichen Studium weiter. Yo.

  13. Ok, kurzfassung. Ich habe ausdrücklich nicht von der jetzigen situation (armut, abhängigkeiten…) geredet, und ich stelle auch keine vorher-nachher-vergleiche an.
    Ich will quasi das niveau der diskussion heben. Ich will, dass die hintergründe der intervention erforscht werden – nicht, weil das eine allzu grosse rolle für die momentanen hilfsprojekte spielen würde (die helfen ja jetzt erst mal), sondern weil es, gerade auch für die afghan. bevölk., langfristig wichtig ist. Es ist ja gerade nicht so, dass „die afghanen einen staat implementieren“, sondern andere leute.
    Und ich will, dass wenigstens die wissenschaft alles offen legt, von der politik ist das ja nicht zu erwarten: Welche gefahren, welche negativen seiten sind mit dem state building etc verbunden?
    Wer dazu schweigt, macht was verkehrt und hat kein ausreichend kritisches bewusstsein, egal wie wohlüberlegt und wohl meinend sonst was ist.
    Nebenaspekt: Wenn die politikwissenschaft bei einer tabula-rasa-situation, quasi stunde null in afghanistan zu den negativen punkten schweigt – was kann ich dann von ihr in puncto kritik der verhältnisse hier in deutschland etc erwarten? Hier, wo die schweinereien sehr viel weiter gediehen sind. Lass mich raten – wer experte für afghanistan ist und vielleicht sogar dort forscht, kann sich nicht detailliert mit den fatalen entwicklungen (sucht euch was aus!) hierzulande auseinandersetzen oder sich gar dagegen engagieren.
    Womit wir bei den intentionen sind, oder auch beim sinn und zweck von wissenschaft (da ist dann auch die subjektive seite wichtig). Warum überhaupt afghanistan erforschen? Dafür gibt es nun mal gründe (ich sage nicht, dass die alle schlecht sind). Du machst es dir zu einfach mit dieser altbekannten überheblichkeit – alle menschen haben intentionen, ein von meinungen getrübtes urteilsvermögen, und nur wer nach (vielleicht sogar nur bestimmten?) wissenschaftl. methoden verfährt, steht über all so was drüber.
    Ich hör jetzt mal auf, nur noch zum untertitel: Das ist nur ein lockvogel, oder besser neudeutsch: teaser. Der sfb 700 macht keine auftragsforschung in afghanistan. Es soll aber heute über den sfb diskutiert werden, also wird es kaum um afghanistan gehen, und schon gar nicht um die bundeswehr.
    Ich wünsche mir, dass nach der veranstaltung genau so viel über deren tatsächliche inhalte diskutiert wird, wie jetzt im vorfeld über verschiedene andere punkte. Das soll ja hier schliesslich kein afghanistan-forum sein.

  14. Pingback: Kein Raum für Kritik am SFB 700? « die fachschaftsinitiativen

  15. ich will mich hier inhaltlich nicht große einmischen. aber wer ist eigentlich auf die idee gekommen, im hintergrund der ankündigung die ihne22-gedenktafel abzudrucken? den SFB so mit verschuer und mengele gleichzusetzen, oder zumindest demonstrativ in deren nähe zu rücken, das ist ansolut unsäglich.

  16. Pingback: Zur SFB-Diskussionsveranstaltung « FUwatch

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