Militarisierung des OSI?

Öffentliche Diskussion der Afghanistan-Studie des SFB 700

Donnerstag 15.01.09, 18:30, Hs A OEI, Garystr. 55

Jan Koehler stellt sein Ende November verfasstes Working Paper Nr. 17 zur internationalen Intervention in Nordost-Afghanistan vor. Zugrunde liegt diesem seine „Geheimstudie“ für das Bundesministerium für Verteidigung (BMVg).

Jan Koehler und Christoph Zürcher haben 2007 für den SFB 700 und für das BMVg in Afghanistan Forschung für die Akzeptanz der militärischen Besatzung durchgeführt. Der militärstrategische Auftrag ist eindeutig formuliert:

Aus der asymmetrischen Bedrohungslage in Afghanistan folgt militärisch die Notwendigkeit, die Akzeptanz der afghanischen Bevölkerung soweit als möglich zu erhalten. Dieser Aufgabe dient wesentlich die zivil-miliärische Zusammenarbeit »CIMIC«.

CIMIC ist die von verschiedenen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen entwickelte Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen AkteurInnen, in deren Rahmen sich auch die Studie stellt. Es ist eine Zusammenarbeit, die Forschung und Krieg miteinander verschmilzt.

Weiterhin ist die Fragestellung der Auftragsforschung: »Verbessert die Durchführung des Vorhabens die Akzeptanz der PRT [Provincial Reconstruction Teams] bzw. der internationalen Präsenz bei der Bevölkerung?« Der militärische Auftrag, zu erforschen wie dieses Ziel effizient zu erreichen ist, wurde sich von den ausführenden Wissenschaftlern fraglos zu eigen gemacht. Beispielsweise wurden die Gemeinden, in denen Befragungen durchgeführt wurden, nach militärischen Sicherheitskriterien in »unproblematische« und »problematische« unterteilt. SicherheitsexpertInnen der Bundeswehr halfen bei der Auswahl. (Seite 4-5 der Studie)

Die »Forschungs«-Ergebnisse zu Widerständen, Äußerungsformen, Reaktionen auf die militärischen Operationen werden in den militärischen Zusammenhang eingespeist. Ihr Vehikel ist eine Entwicklungsstrategie über – meist infrastrukturelle – Kleinprojekte, die in »Provincial Development Fonds« (PDF) organisiert wird. Diese Entwicklungsfonds werden »als bedarfsorientiertes, partizipatives Werkzeug« eingesetzt, das Akzeptanz für die Armee herstellen soll und zugleich der Herstellung von militärisch relevanten »Lagebildern« und Informationsbeschaffung zuarbeitet. »Brunnenbauen für den Krieg« kann mensch das nennen. Darüber hinaus dient es mittel- bis langfristig dem Projekt des SFB 700, neue Formen der Macht, der Herrschaft, der Regierung jenseits der als überholt angesehenen Formen demokratisch verfasster Staatlichkeit zu etablieren.

Zum Thema ist die Broschüre Failing Sciences – Embedded Stakeholders: Wider den SFB 700 erschienen.

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