Warum keine Exzellenz?!

Am 23. Juni 2005 einigten sich Bund, Länder und Wissenschaftsverbände auf ein gemeinsames Programm zur Förderung von Eliteuniversitäten in Deutschland. Erste Maßnahme: Von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Wissenschaftsrat und den für Forschung zuständigen Ministern der Länder und des Bundes sollen im Rahmen der „Exzellenz-Initiative“ Gelder an Hochschulen vergeben werden. Das OSl hat sich mittels des Exzellenzclusters „Governance in a Globalized World“ für die engere Auswahl qualifiziert.

Alle sagen: „Ist doch gut, wenn die FU Geld bekommt“ Niemand sagt, dass sich diese im Wettbewerb um die Elite-Universitäten zu vergebende finanzielle Prämie nahtlos in die Kürzungsmaßnahmen der letzten Jahre einreiht. Denn die Initiative ist Teil des Umbaus der Unis in einzelne Elite-Universitäten, was zu einer Kürzung von Studienplätzen und von nach Kriterien der Exzellenz als „schwach“ geltenden Inhalten führt.

Seit 2003 müssen die Berliner Unis bis zu 75 Mio. € pro Jahr einsparen. Allein an der Freien Universität bedeutet das den Abbau von 82 Professuren und insgesamt 411 Stellen. Die Exzellenz-Initiative ersetzt diese bisher gestrichenen Mittel keinesfalls in ihrer Breite, da sie nur eine selektive Finanzierung von wirtschaftlich „verwertbarer“ Forschung durchführt.

Es ist nicht Extra-Geld, sondern schlechtes Geld. Denn die Art der Geldvergabe nimmt Einfluss auf die Ausgestaltung und Struktur der Universität. Einerseits wird die inhaltliche Selektion in den Wissenschaften, andererseits wird die soziale Auslese unter den Studierenden forciert. Die Exzellenzinitiative beurteilt Leistung und Qualität nach fragwürdigen Kriterien: Wirtschaftliche Verwertbarkeit ist die Maxime, an der sich Forschung messen lassen muss, gesellschaftspolitische Verantwortung von Universitäten wird zur hohlen Phrase.

Gefördert wird der Umbau zur „Cluster-Uni“. Der Schwerpunkt von Forschung soll zukünftig auf sogenannten „globalen Megatrends liegen“, dies soll durch die „strategische Allokation von Ressourcen in Exzellenzclustern“ realisiert werden (siehe FU-Homepage). Diese Exzellenzcluster werden zu großen Teilen aus Drittmitteln – bei Unternehmen/Stiftungen beantragte Forschungsgelder, deren Quantität ausschlaggebendes Kriterium im Exzellenzwettbewerb ist – finanziert. Sie betreiben deshalb Forschung, die den Interessen der Geldgeber entspricht. Dadurch werden ohnehin vorherrschende Inhalte endgültig durchgesetzt und andere Bereiche, die nicht in dieses Konzept passen, marginalisiert und ausgeschlossen. Dies nimmt auch Einfluss auf die Lehre, denn die dadurch besonders dominanten Bereiche bestimmen Berufungen, Lehrinhalte und wissenschaftliche Ziele.

Hinzu kommt, dass nur eine sehr geringe Zahl Studierender überhaupt Zugang zur Elite-Exzellenz-Lehre erhalten wird. Denn eine Uni, die sich zu einem „weltweit anerkannten Leuchtturm der Wissenschaft“ wandelt, verfügt über begrenzte Kapazitäten zur Aufnahme Studierender, schließlich ist in einem solchen Turm nicht viel Platz, auch nicht für inhaltliche Breite in Form von kritischen, nicht-hegemonialen Meinungen und Diskursen. Wir wollen keine aussortierten Leuttürme, die alles andere in die Dunkelheit verbannen, sondern freie Bildung für alle! Deshalb: Sich dem Elitenwettbewerb mit aller Kraft entgegenstellen!

Weitere Infos unter:

Out Of Dahlem No 5. Schwerpunkt Elitenrausch

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2 Gedanken zu “Warum keine Exzellenz?!

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